Tierhospiz - Weisser Phönix
In den Worten von Sonja Bartels, die das Tierhospiz ins Leben gerufen hat <3
Arbeit & Mission
Im April 2021, mitten in einer Zeit, in der die Welt stillstand und vieles neu gedacht werden musste, ist unser Tierhospiz “Weisser Phoenix” geboren. Der Name entstand durch meinen eigenen Hund, Phoenix, den ich 2018 auf seinem letzten Weg begleitet habe. Ein Hund, der mein Herz geprägt hat wie kaum ein anderer und der mein Leben nachhaltig verändern sollte: unser Kuvasz Rüde Phoenix. Ein weisser Phoenix, im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Abschied hat mein Leben so tief berührt und verändert, dass genau daraus später dieser Ort entstehen durfte.
Als ich dieses Hospiz gegründet habe, wusste ich, dass es ein Ort für Seelen werden würde, die am Ende ihres Weges stehen. Für Menschen, die keine Lösung mehr sehen. Für Situationen, die sich keiner aussucht, die aber dennoch passieren. Für Geschichten, die das Leben schreibt – oft anders, als wir es planen, wünschen oder erhoffen.
Wir richten unseren Blick nicht darauf, was vielleicht einmal sein könnte. Wir richten unseren Blick auf das, was JETZT da ist. Auf die Zeit, die bleibt. Auf die Zeit, die uns geschenkt wird... weil JEDER Tag zählt. Und genau deshalb kommen die Tiere zu uns. Weil das Leben ihrer Menschen sich verändert hat. Weil Krankheit oder Pflegebedürftigkeit plötzlich alles anders macht. Manchmal, weil der Mensch verstorben ist und niemand mehr da war. Und manche Seelen kommen aus Tierheimen oder Tierschutzorganisationen zu uns, weil sie alt oder krank sind und kein Zuhause mehr finden würden.
Unser Tierhospiz ist ein Ort, an dem Tiere ankommen dürfen. Tiere, deren Leben sich gerade verändert – manchmal langsam, manchmal sehr schnell, manchmal auf eine Weise, die niemand vorhersehen konnte. Manche von ihnen hatten einen Menschen, der sie über alles liebte, der aber plötzlich nicht mehr für sie sorgen konnte. Wir übernehmen die Tiere rechtzeitig – nicht als „Übergang“, sondern als ein Zuhause, das sie weiterträgt. Wir bleiben mit dem Menschen in Verbindung. Manchmal begleiten wir ihn bis zu seinem letzten Atemzug, mit seinem eigenen Tier an seiner Seite. Damit der Mensch loslassen kann, ohne Angst um das, was ihm am meisten am Herzen liegt. Und damit das Tier nicht plötzlich in einer Welt steht, die es nicht mehr versteht.
Bei uns steht nie die Frage im Raum, wie lange ein Tier bei uns ist, sondern wie wertvoll jeder einzelne Tag ist. Denn in einem Hospiz geht es in erster Linie um das Leben. Um jeden Tag und jeden Augenblick, der uns geschenkt wird.
Unsere Vision im Tierhospiz Weisser Phoenix
(Stand Mai 2026) Aktuell leben 14 Hunde bei uns. Und jeden Tag erreichen uns neue Anfragen. Nicht nur von Hunden, auch von Katzen, Kleintieren, Vögeln – von Seelen, die keinen Platz mehr haben, obwohl sie ihn so dringend bräuchten. Und unsere Vision endet nicht hier. Wir möchten nicht nur für die Tiere da sein, die heute bei uns leben. Wir möchten mehr Raum schaffen – für all die Seelen, die noch kommen werden. Und eines Tages Orte entstehen lassen, an denen Mensch und Tier ihren letzten Lebensweg gemeinsam gehen können: Mensch-Tier-Hospize. Für das Miteinander, das in dieser Welt so oft verloren geht. Ein Ort, an dem niemand allein gehen muss.
An dem es keine Trennung mehr gibt – nicht zwischen Mensch und Tier, nicht zwischen alt und jung. Und vielleicht erinnert uns all das an etwas, das wir im Laufe unseres Lebens so oft verlernen: Dass es nicht die großen Gesten sind, die einen Weg bedeutungsvoll machen, sondern die Augenblicke, in denen wir wirklich füreinander da sind. Am Ende zählt nicht, wie lange wir gehen konnten. Sondern wie sehr wir auf unserem Lebensweg gesehen wurden und miteinander verbunden waren. Wie oft jemand neben uns geblieben ist, auch dann, wenn es schwer wurde. Ein Hospiz – ob für Mensch oder Tier – erinnert uns daran, dass Würde kein Zustand ist, den man besitzt oder den man kaufen kann, sondern etwas, das wir einander schenken. Mit Zeit, mit Aufmerksamkeit, mit Herz. Und vielleicht ist das die eigentliche Wahrheit: Dass wir das Leben nie verlängern können – aber wir können es vertiefen. Jeden Augenblick. Jeden Tag. Weil jeder Tag zählt.